80er

Propaganda - A Secret Wish (2LP, 2011)

Eines der interessantesten Projekte des Pop der 80er Jahre ist zweifelsohne Propaganda. Der Erfolg der Band um Ralf Dörper (Die Krupps), zu dessen ersten Aufnahmen - damals noch als Trio ohne die Sängerin Claudia Brücken - u.a. eine Interpretation eines Throbbing Gristle Stückes zählte. Als man zum Produzenten Trevor Horn und dessen Label ZTT („Zang Tumb Tuum“) stieß, erzielte man in Deutschland und England größere Aufmerksamkeit. Mit „Dr. Mabuse“ konnte man ansehnliche Charterfolge verzeichnen, doch erst die dritte Single (nach „Duel“) „p:Machinery“ schaffte weltweite beachtliche Chartsplatzierungen.

Das erste - und eigentlich auch einzige „richtige“ - Album in dieser Besetzung erschien 1985 und liegt nun als Doppel-LP wiederveröffentlicht vor. Es gab zwar schon vorher diverse Wiederveröffentlichungen auf CD (eine davon schaffte es doch tatsächlich 2010 - also 25 Jahre nach Erscheinen des Originals - wieder in die britischen Albumcharts), jedoch wurden dort oftmals die Titel wild durcheinandergewürfelt und damit wurde auch das Album des grundsätzlichen Charmes beraubt.

Die ersten 500 Kopien der vorliegenden Vinylfassung kamen in farbigem Vinyl daher. Zunächst leider der negative Teil: offensichtlich lagen für die Wiederveröffentlichung nur die Bildmaterialien des CD Covers vor, anders lässt sich die schlechte Qualität des Covers und - insbesondere des Booklets (= CD-Booklet auf groß gezogen?) nicht erklären. Schade eigentlich...

Musikalisch erwartet den Hörer das experimentelle, synthie-lastige, streckenweise gar düstere, Meisterwerk des Quartetts. Während die drei oben erwähnten Single-Auskopplung auch allein funktionieren, funktioniert dieses Album ebenso in seiner Gesamtheit - weshalb auch die Reissues auf CD mit durcheinandergewirbelter Tracklist eher kontraproduktiv, um nicht „sinnlos“ zu sagen, waren und sind.

Nach diesem Album kam nur noch „Wishful Thinking“, welches - wie der Name vielleicht vermuten lässt - aus Variationen, Neuabmischungen und Neuarrangements der Titel des ersten Albums besteht (welches übrigens nicht so schlecht geriet, wie die Beschreibung hier es vielleicht vermuten lässt). Nach dem Weggang von Claudia Brücken waren Propaganda nicht mehr Propaganda und zerbrachen langsam aber sicher.

Das Album „1234“ konnte kaum noch als Propaganda-Album gelten. Frau Brücken schaffte mit dem Projekt Act (mit Thomas Leer), einem Soloalbum und dem Projekt Onetwo (mit Paul Humphreys von OMD) zumindest noch kleinere Erfolge. Eine Wiedervereinigung Ende der 90er Jahre scheiterte, einzig eine Single mit dem bezeichnenden Titel „No Return“ erschien. Auch aus einer angekündigten Reunion in der ersten Dekade des 21 Jahrhunderts wurde bislang nichts. Aber vielleicht ist das auch besser so?
Erstellung: 12.04.2013 (11:57)
Letzte Änderung: 06.09.2020 (11:20)

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